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Home Aktuelles Interview mit der Medienpädagogin Sabine Eder zum Thema "Kleinkinder und digitale Medien"

Interview mit der Medienpädagogin Sabine Eder zum Thema "Kleinkinder und digitale Medien"

Kleinkinder und digitale Medien

Ein Interview mit der Medienpädagogin Sabine Eder

Die Meinungen, ob und in welchem Umfang Kinder unter sechs Jahren mit digitalen Medien in Berührung kommen sollen, gehen weit auseinander. Wie stehen Sie zu dieser Frage?

Kinder wachsen in einer Welt auf, die sich, auch was die Medienentwicklung betrifft, massiv und schnell verändert und sich in ihrem Verlauf nicht prognostizieren lässt. Wir können und dürfen Kinder nicht aus dieser Welt heraushalten, aber wir können und müssen sie begleiten und für sie eine Auswahl treffen, damit sie gut mit Medien aufwachsen können.

Studien zeigen, dass inzwischen in rund jedem vierten Haushalt mit Kindern ein Tablet zur Verfügung steht. Die digitalen Geräte werden von vielen Eltern gerne mal als mobiles und daher jederzeit verfügbares „Programm“ verwendet. Wie auch für andere Medien gilt: es ist alles eine Frage des Maßes. Ein dosierter Umgang, sinnvoll eingesetzt und mit altersgerechten Inhalten kann auch für Kinder unter sechs Jahren eine Bereicherung sein. Denn Medien bieten Orientierungshilfen für die Auseinandersetzung mit der Umwelt. Medien sind Lernanregung, bieten Unterhaltung, sinnliches Erleben oder auch Entspannung und Aufregung. Medien liefern auch Kindern interessanten Gesprächsstoff, fördern die kreativen Fähigkeiten und vieles mehr. Eltern, die verstehen, dass Kinder Medien nutzen wollen, um ihre Neugierde zu befriedigen, um zu lernen und um zu spielen, diese Eltern nehmen die Kommunikations- und Handlungsbedürfnisse ihrer Kinder ernst.

Aber selbstverständlich brauchen Kinder dazu auch eine sinnstiftende Alltags- und Lebenswelt, in der ihre Bedürfnisse nach Bewegung, Zuwendung, Miteinander, Ruhe auch immer wieder unabhängig von Medien befriedigt werden. Dann können Medien als Bereicherung des Familienlebens angesehen werden und nicht als Dauerstörung und Problem. Wie Medien in der Familie genutzt werden hängt also immer davon ab, wie die Eltern selber mit Medien umgehen, Eltern sind wichtige Vorbilder. Ab und zu abzuschalten ist dabei ebenso wichtig wie das richtige Programm oder die richtige App für Kinder auszuwählen. Als Kind mit Medien gut aufwachsen heißt für Eltern, Medienerziehung umzusetzen, von Beginn an.

Kleine Kinder finden sich spielend leicht mit Smartphones und Tablets zurecht. Welche Chancen ergeben sich dadurch?

Tablets und Smartphones, besser gesagt, die Filmchen, Spiele und Geschichten darin, sind bei Kindern sehr beliebt. Durch die vermeintlich leichte Bedienbarkeit und die „Wisch-Klick-Tipp-Oberflächen“ lassen sich die Anwendungen in der Regel intuitiver bedienen als ein Laptop oder ein PC mit Tastatur. Dennoch können wir nicht davon sprechen, dass Kinder die Technik „beherrschen“ oder gar verstehen. Das Deutsche Jugendinstitut hat die Medienaneignung zwei‐bis sechsjähriger Kinder am Tablet beobachtet und wollte u.a. wissen, wie das Nutzungsverhalten von Kindern ist, wie ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem Tablet aussehen, und wie ihr Navigationsverhalten innerhalb der App ist. Sie haben dabei herausgefunden, es gibt eine Vielzahl von Apps, die schon von Kleinkindern bedient werden können. Dann sind schon für Dreijährige spannende Lernspiele, Kreativapps oder Geschichten zu finden, die sie interessieren, nicht überfordern und durch die sie etwas lernen oder Spaß haben können. Gute Apps lassen sich auch von Kindern einfach bedienen und sind leicht verständlich. Haben eine ansprechende Gestaltung, regen zum Mitmachen an, nehmen Kinder ernst und greifen Alltagsthemen auf, und wecken die kindliche Neugier.

Aber die Begleitung durch Erwachsene ist dabei ganz wichtig – sowohl was die Inhalte als auch den Zeitumfang angeht. Wie bei allen Medien soll auch die Nutzung des Tablets andere, wichtige Aktivitäten von Kindern nicht verdrängen. Ein dosierter Umgang, sinnvoll eingesetzt und mit den richtigen Inhalten (kindgerechte Apps) kann die kreativen Fähigkeiten, die Reaktionsgeschwindigkeit, das logische Denken und sogar die Motorik von Kindern fördern.

Eltern sollten sich fragen: Erleichtern oder erschweren die Geräte die familiäre Kommunikation? Bereichern sie das kulturelle (Er-)Leben? Werden gemeinsame Regeln aufgestellt, z.B. wann und wo telefoniert oder digital gespielt wird? Wird über Inhalte gesprochen? Werden Sicherheitseinstellungen vorgenommen? Wird mit Kindern darüber gesprochen, was fotografiert werden darf und was nicht? Werden Nutzungszeiten für (Online)Games festgelegt und Verhaltensregeln innerhalb einer Messenger-Gruppe? Wird mit Kreativapps experimentiert? Kenne und nutze ich den An-, aber eben auch den Abschaltknopf?

Gibt es auch Risiken, die Eltern beachten sollten?

Um Apps nutzen zu können, benötigen Kinder die Begleitung durch Erwachsene, denn sie müssen in der Regel Lesen oder gar Schreiben können, die Tastatur bedienen können und vor allem, die Inhalte einschätzen können. Da die digitalen Medien in der Regel internetfähig sind, müssen zunächst die Eltern die Risiken kennen und einige Einstellungen zum Schutz ihrer Kinder an den Geräten vornehmen.
Es geht schon los, wenn wir eine App (Applikation = Anwendung/Software) installieren. Die App verlangt bei der Installation bestimmte „Berechtigungen“. Diese Berechtigungen sind teils notwendig, doch grundsätzlich ist Skepsis angebracht. Gerade was die Preisgabe persönlicher Daten (Adressbuch, Fotos, Standort etc.) angeht. Zudem bieten einige Apps die Möglichkeit an, innerhalb der App Spielerweiterungen dazuzukaufen, sogenannte „In-App-Käufe“. Auch Push-Nachrichten, Werbebotschaften, oder Chatmöglichkeiten finden sich in manchen Apps. Diese Apps überfordern jüngere Kinder. Je nach Betriebssystem lassen sich Einstellungen in den Geräten vornehmen, so dass hier keine Stolperfallen für Kinder entstehen. Aber auch wenn die Geräte und Apps "kindergesichert" wurden, ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder frühzeitig darauf vorbereiten, welchen Risiken Kinder begegnen können und wie sich diese vermeiden lassen.

Gute Kinder-Apps verlangen bei Installation übrigens nur notwendigste bzw. keine Berechtigungen und schützen die Privatsphäre. Zudem erzeugen sie keinen Druck zum Weiterspielen durch Senden von Push-Nachrichten. Sie enthalten auch keine Inhalte, die Kinder ängstigen oder beeinträchtigen. Und sie verzichten auf Verlinkungen (zu sozialen Netzwerken, App Stores etc.), sind ohne Werbung und In-App-Käufe oder haben dafür einen kindergesicherten Elternbereich.

Wie können Eltern ihre kleinen Kinder diesen ausgewogenen Umgang lehren?

Mediennutzungsregeln bei jüngeren Kindern sind vor allem Regeln für Eltern. Denn Eltern sollten auf eine maßvolle Nutzung achten, Vorbild sein, ihr Kind begleiten, Apps auswählen. Wohl dosiert und altersgerecht ausgewählt, können alle Medieninhalte für Kinder förderlich sein. Eltern sollten ein Bewusstsein dafür haben, dass der Medienumgang in der Familie auch die Mediennutzung ihrer Kinder prägt. Kinder brauchen auch nicht beim ersten Anflug von Langeweile Medien als „Pausenfüller“. Es müssen auch nicht immer digitale Medien sein, die als multimediales Interaktionsmedium die Kinder zu etwas herausfordern oder beschäftigen. Denn Kinder müssen lernen, sich aus sich selbst heraus zu beschäftigen, ohne dass eine Software sie dazu auffordert. Klar, eine anregungsreiche Umgebung mit Spielplätzen und Kindern, mit Spielmaterial und anderen Werkstoffen und Materialien kann dabei die Phantasie und Spiellust beflügeln.

Surftipps

Es gibt derzeit mehr als 200.000 Apps, die sich an die Zielgruppe „Kinder“ richten und zum digitalen Spielen und Lernen einladen. Das riesige Angebot an Medien und Apps macht es nicht leicht, die passende Software zu finden. Eltern sollten sich aber, bevor sie dem Kind eine App zur Verfügung stellen, ein eigenes Bild machen, bevor sie die App gemeinsam mit dem Kind „durchspielen“ und erkennen, wie Kinder auf Inhalte und Anforderungen reagieren. Eine gut aufbereitete Informationsseite ist z.B. die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts „Apps für Kinder“, gefördert vom BMFSFJ. Auch sehr informativ klick-tipps.net, mit monatlichen Empfehlungen zu Kinderapps: https://www.klick-tipps.net/kinderapps/. Tipps finden Sie unter http://www.blickwechsel.org/medienpaedagogik/surftipps


Angaben zur Person von Sabine Eder und zum Blickwechsel e.V.


Sabine Eder, *1965, Dipl. Päd., Geschäftsleitung Blickwechsel e.V. – Verein für Medien- und Kulturpädagogik (http://www.blickwechsel.org). 1. Vorsitzende des Bundesverbandes der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (http://www.gmk-net.de). Der Blickwechsel ist eine medienpädagogische Institution. Das Team führt medienpädagogische Fortbildungen für pädagogisch Tätige und Interessierte durch (Erzieher/innen, Lehrer/innen, SozialpädagogInnen, Fachschüler/innen), realisiert Medienprojekte mit Kindern und Jugendlichen, verwirklicht die medienpädagogische Zusammenarbeit mit Eltern und erstellt didaktische Materialien und Publikationen.
Für seine Arbeit wurde dem Verein im Jahr 2000 und im Jahr 2012 der Dieter-Baacke-Preis der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) für herausragende medienpädagogische Projekte verliehen.