Artikel erschienen im Luxemburger Wort im Jahre 2003

Zwei Jahre bis zur Eröffnung einer „Internet-Stuff“

(rar) - Die jüngste Ilres-Umfrage zur Nutzung der neuen Medien hat es erneut unterstrichen: Öffentliche Internet-Zugänge seien dringend nötig, heißt es dort, um jedem die Chance zu bieten, mit dem interaktiven Medium in Kontakt zu treten, dessen Nutzen zu erkennen und sich mit dem Gebrauch vertraut zu machen.

Seit Beginn des Regierungsprojektes „eLuxemburg“ steht das „Internet für alle“ ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch politische Willenserklärungen reichen offenbar nicht aus, um die  flächendeckende Verbreitung der sogenannten „Internet-Stuffen“ voranzutreiben. Mitunter vergehen Monate und Jahre, ehe ein Vorhaben in die Tat umgesetzt wird. Denn die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam - zu langsam für manche Projekte.

Dies musste auch  die Erwachsenenbildungsstelle Info-Video-Center (IVC) erfahren. Im Rahmen von eLuxemburg plante das IVC, eine „Computerstuff“ aufzubauen. Das Projekt entsprach einer der Hauptaufgaben der Bildungsstelle, nämlich Menschen aller sozialen Schichten im kritischen Umgang mit Medien  zu schulen.

Eine „Internet-Stuff“ ist kein Cybercafé

Mit seinem Projekt wollte das IVC zudem neue medienpädagogische Erfahrungen sammeln, wie man einem breiten Publikum - ohne klassische Kurse abzuhalten - den praktischen Gebrauch von PC und Internet beibringen kann. Diese Erkenntnisse wären später den Gemeinden zugute gekommen. „Eine Internet-Stuff ist kein Cyber-Café“, erklärt Carel Scheltgen, Projektverantwortlicher beim Info-Video-Center. Wichtig ist demnach nicht der Internet-Zugang allein, sondern vielmehr komme es auf die sachkundige Betreuung der Kunden an. „Eine richtige Internet-Stuff im Sinne des eLuxemburg-Projektes funktioniert derzeit nirgends“, kritisiert Scheltgen.

Zu dem IVC-Plan gehörte auch die Gestaltung und Produktion einer CD-ROM, die als Unterrichtsmaterial dienen sollte. Internet-Neulinge sollten mit Hilfe dieses Lernprogramms autonom die nötigen Grundkenntnisse erwerben und ihrem Lernrythmus entsprechend die wichtigsten Handgriffe üben.

Eingereicht wurde das IVC-Projekt Ende 2000, auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie und ein halbes Jahr nach dem EU-Gipfel von Lissabon, bei dem die Regierungschefs den Förderplan „e-Europe“ feierlich verkündet hatten.

Zwei Jahre ohne Entscheidung

 Trotz etlicher Unterredungen, Briefwechsel und erneut eingereichter Projekt-Anträge konnten sich die „e-Luxembourg“-Planer nicht zu einer Entscheidung durchringen. Erst im Frühjahr 2002 erhielt das Info-Video-Center  eine   offizielle Mitteilung darüber, dass es für die Lehr-CD keine Fördermittel bekommen würde. Begründung: Derartiges Unterrichtsmaterial gebe es bereits. Wo, wurde trotz mehrfacher Nachfrage nicht mitgeteilt. . Und was die Computerstuff anbelangte, wurde eine Unterredung mit der Stadt Luxemburg in Aussicht gestellt.

Unterdessen hatte das „Info-Video-Center“ Nägel mit Köpfen gemacht: Mit 22000-Franken-PCs und viel Eigenarbeit wurde ein Computersaal eingerichtet; seit Herbst 2001 fanden 93 PC- und Internet-Kurse statt, die von rund 600 Teilnehmern besucht wurden.

Im August, also fast zwei Jahre nach dem Einreichen des Projekts, kamen das Info-Video-Center und die Gemeinde Luxemburg miteinander ins Gespräch. Demnächst soll am Sitz des IVC im Centre Convict eine richtige Internet-Stuff mit weiteren PCs eröffnet werden. Reserviert werden die Surf-Stationen stundenweise, die sachkundige , auf den einzelnen Besucher zugeschnittene Betreuung durch Fachleute ist  sogar gratis.  Das Konzept wird, falls Schöffen- und Gemeinderat es gutheissen, auch für andere von der Gemeinde geplante Internetstufen gelten. Carel Scheltgen: „Auch wenn’s mir immer noch zu lange dauert, bin ich  zuversichtlich, dass die Stadt Luxemburg schneller reagiert als eLëtzebuerg“.