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Buchtipps

Gudrun Mebs
Sonntagskind
Sauerländer Verlag 1983, 112 S., ISBN 9783794124435
Taschenbuch: Carlsen 2008, 188 S., ISBN 9783551374967

Sonntagskinder haben’s gut! Sie werden jeden Sonntag von ihren Sonntagseltern vom Kinderheim abgeholt und erleben dann die tollsten Sachen in ihrer Sonntagsfamilie.

Nur das Sonntagsmädchen bleibt zurück. Das Mädchen tröstet sich mit ihrem Lutschhasi, dem sie all ihre Sorgen erzählen kann.

Aber dann kommt auch eine Sonntagsmami für sie, die Ulla. Aber die Ulla ist so gar nicht, wie man sich eine Sonntagsmami vorstellt: so mit Villa, Swimmingpool, mit roten Locken oder einem Auto mit Chauffeur. Die Ulla kommt mit der U-Bahn und immer zu spät, sie wohnt in einem Mini-Appartement, das nicht aufgeräumt ist, sie hat eine Bubenfrisur und sie schreibt Kinderbücher.

Aber mit ihr erlebt das kleine Mädchen lauter Dinge, die viel schöner sind: Zehenküssen in der Badewanne, Hand-in-Hand durch den Regen laufen, Wolkentraumsegeln und das Gefühl von warmen Armen auf den Schultern. Jeder Sonntag wird für sie ein Tag voll Wärme, Geborgenheit, Sicherheit und Glücksmomenten.

Aber jeden Sonntagabend kommt sie zurück in die "kalte" Welt des Kinderheims, wo sie sich dauernd beweisen muss, wo sie jedem misstraut, wo sie nur ihren "Lutschhasi" hat, dem sie alles erzählen kann. Und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es endlich wieder Sonntag wird.

Gudrun Mebs hat dieses Buch 1983 geschrieben und dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen.

Die Geschichte wird mit einfachen Worten aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt. Und vielleicht ist es genau deshalb, dass man die Geschichte nicht so schnell aus dem Kopf kriegt. Sie zeigt so einfühlsam, was für ein kleines Kind so wichtig im Leben ist: ein bisschen Liebe, Geborgenheit, Wärme und das Gefühl von Sicherheit. Es braucht keine großartigen Ausflüge, keine Villa mit Swimmingpool oder Limousine mit Chauffeur. Zehenküsse in der Badewanne oder zusammen mit der Mami auf Wolkentraumreise gehen sind tausendmal mehr wert!

Ab 7 bis 8 Jahren.

Danielle Mertes


Bettina Obrecht
Isoliert
Bloomsbury 2008, 319 S., ISBN 9783827053336

"Big brother is watching you!" Der bekannte Satz aus George Orwells Buch "1984" hat sich schon vor einigen Jahren in unseren Medien verwirklicht. Menschen lassen sich mehrere Wochen lang in einen Container sperren, und die FernsehzuschauerInnen schauen zu, was dort passiert. "Big Brother" nennt RTL darum auch diese Serie. In unterschiedlichen Varianten lockt das Konzept immer wieder ZuschauerInnen an den Bildschirm. Bettina Obrecht macht die "Big-Brother-Idee" zum Thema ihres Buches. Rosalie kommt aus dem Urlaub zurück und sieht, wie die RückkehrerInnen eines anderen Flugzeugs von schwarz Uniformierten abgeführt werden. Schon bald ist bekannt, dass in Loco Beach, woher das Flugzeug kam, ein tödlicher Virus sein Unwesen treibt. Die Menschen, die dort im Urlaub waren, werden für 40 Tage in ihren Wohnungen in Quarantäne gestellt. Zur Überwachung der Infizierten werden Videokameras in den Wohnungen aufgestellt. Von zu Hause aus kann jede(r) mit seinem Fernseher in die Wohnungen gucken und sehen, was dort passiert. Das Publikum ist aufgerufen, Auffälligkeiten zu melden, was dem Schutz der Allgemeinheit dienen soll. Auch Rosalie schaltet immer wieder den Fernseher an, um zu sehen, was geschieht. Einige der isolierten Menschen werden auf ungewollte Art und Weise langsam zu Fernsehstars. Immer wieder werden beklemmende Szenen aus dem Leben der Isolierten gezeigt. Die Menschen gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um. Das Mädchen ist einerseits von den Videobildern fasziniert, andererseits fühlt sie sich in ihrer Rolle als Voyeuristin sehr unwohl. Zusätzlich kommen ihr immer mehr Zweifel an der Glaubwürdigkeit derSache. Steckt hinter all den Gerüchten um die Gefährdung des Menschennicht eine von den Medien inszenierte große Show?

Die Autorin erzählt ebenso fesselnd wie glaubwürdig und lässt die LeserInnen betroffen zurück. Es ist nicht schwierig, sich vorzustellen, dass ein solches Szenario heute oder morgen wahr werden könnte. Besonders empfehlenswert! Für Jugendliche ab 13 Jahren.

Barbara Schu

Haut/Oben
Haut / Oben



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